| GaPa Tagblatt 23.11.2007. |
Selbst Beckstein rechnet mit Klage
Kramertunnel: Grünes Licht der Regierung noch vor Weihnachten – Keller
sieht Richter befangen
Garmisch-Partenkirchen -Es ist ruhiger geworden um den Kramertunnel.
Nach der emotionalen Bürgerversammlung sind die Alarmglocken
in beiden Lagern verstummt - vorerst. Es ist die Ruhe vor dem Sturm.
Der wird einsetzen, wenn die Regierung von Oberbayern den Planfeststellungsbeschluss, der
einer Baugenehmigung gleicht, für das 133-Millionen-Euro-Projekt
herausgibt. Dann tickt die Uhr: Vier Wochen haben die Gegner Zeit,
zu klagen.
Dass der Bund Naturschutz (BN) dies tun wird, daran lässt
Dr. Andreas Keller vom Kreisverband keinen Zweifel: „Wenn der
Beschluss ohne dramatische Veränderungen kommt, werden wir
in den sauren Apfel beißen." Zudem steht die Gemeinde
Grainau in der Warteschleife und fordert Verbesserungen.
Die wird es kaum geben. „Wir erfinden sicher keine
neue Trassenführung", betont Martin Schelter, Pressesprecher
in der Regierung. Der Termin für die Fertigstellung des Schriftsatzes
ist noch nicht fix. „Wir können keine genaue Woche angeben",
sagt Schelter. „Aber so bald wie möglich und in jedem Fall
noch vor Weihnachten." Das hört Thomas Schmid (CSB) gerne. „Ursprünglich
war ja Ende Dezember geplant, das bringt immerhin fast zwei Wochen",
kommentiert der Bürgermeister die neue Auskunft aus München.
Dass Widerstand kommt, davon geht man in der Landeshauptstadt
nun auch an den höchsten Stellen aus. „Wir betrachten die
wiederholten Aussagen des Bundes Naturschutz als Klageankündigung",
betont Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) in
einem Schreiben an die Initiative „2 Tunnel".
Bürgermeister befürchtet Zeitverlust
Wohl deshalb wurde das Planfeststellungs-Verfahren auch forciert -
um Zeit zu gewinnen. So sieht es jedenfalls Schmid. „Wenn
Klagen kommen, dann verliert man sicher zwei Monate", stellt
er klar. Nach wie vor appelliert er, auf Rechtsmittel zu verzichten.
Diese seien sowieso wenig Erfolg versprechend. „Jeder,
der klagt, verliert", behauptet er. Als Beispiel nennt er
das Verfahren um den Ausbau der Autobahn 94 östlich von München. „Da
hat der BN mit Pauken und Trompeten verloren." In der Tat
wies das Bayerische Verwaltungsgericht die Klage der Umweltschützer
ab.
Für Keller ist dies wenig verwunderlich. Er hält nicht viel
von der Gerichtsbarkeit. „Die Verwaltungsrichter sind nicht frei
und unbefangen", klagt er und verweist auf eine bayerische Besonderheit,
dass der Verwaltungsgerichtshof dem Innenministerium zugeordnet
ist. „Der Innenminister ist der Chef der Straßenbaubehörde und der
Richter. Da ist es schwierig, nein zu sagen." Er sieht darin auch
den Grund, warum der BN stets wenig Erfolg mit Klagen hatte. „Wir
haben fast immer verloren", gibt er zu. „Auch in Farchant."
Davon wollen sich die Naturschützer aber nicht abschrecken
lassen. „Wir müssen es probieren, schließlich
muss man den Politikern zeigen, dass immer noch jemand da ist,
der aufpasst", sagt Keller. Dass im Fall des Kramertunnels
Klage rein aus Prinzip erhoben wird, diesen Vorwurf lässt
er sich nicht gefallen. „In keinem Fall. Wir haben
große Hoffnung. Ich glaube nicht, dass bei all den Argumenten
ein Richter nein sagen kann." Und schließlich habe der BN
trotz vieler Pleiten auch Triumphe zu verzeichnen: „Vor über
30 Jahren haben wir gegen die A95 durchs Loisachtal gekämpft.
Wir sind bis nach Bonn gegangen."
Solche Erfolgsaussichten räumt Schmid den Gegnern nun nicht
ein: „Die Leute gewinnen mit einer Klage nichts", meint
er. „Da wird kein Projekt verhindert, oder eine andere Planung
durchgesetzt, am Ende kommt der Beschluss nur später. Und
alles kostet mehr Geld." Darauf werden es der BN mit seinen Nebenklägern
(darunter der Tierschutzverband) und eventuell
Grainau ankommen lassen. Keller prophezeit: „Es wird
bestimmt hart und Nerven zerfetzend."
Christian Fellner im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 23.11.2007.
|
| |
|
| 28.08.2007 Garmisch-Partenkirchner Tagblatt von Tanja
Brinkmann und Paul Silber |
Sorge um den Kramertunnel
Innenministerium: Klage der Naturschützer könnte
das Projekt gefährden.
,,Wenn der Bund
Naturschutz, wie angekündigt, im Dezember Klage einreicht, kann
mit dem Kramertunnel Mitte März 2008 nicht begonnen werden",
erklärten die Vertreter der Obersten Baubehörde im Bayerischen
Innenministerium den Vertretern der Bürgerinitiative ,,2 Tunnel
für Garmisch-Partenkirchen".
Das bedeute, dass die Umfahrung,
für die man einen engen Zeitplan, bei dem sich die Verfahren überlappen,
ausgearbeitet wurde, wird keinesfalls rechtzeitig zur Ski-WM 2011 fertig,
sagt Helmut Schütz, Leiter des Gebietsreferats Oberbayern und Schwaben,
den Vertretern der Initiative. Der Bau der Röhre, die im Bundesverkehrswegeplan
im vordringlichen Bedarf eingestuft ist, hänge zwar nicht mit der
Großveranstaltung zusammen, die Sondermittel für das 104-Millionen-Euro-Projekt
hingegen schon. Ohne das Geld aus Berlin sei das Vorhaben jedoch für
den Freistaat allein auf absehbare Zeit nicht realisierbar, beruft sich
Schütz auf seinen 50 Millionen-Euro-Etat, der ihm für Oberbayern
und Schwaben jährlich zur Verfügung steht. ,,Die Ski-WM ist
eine einmalige Chance für die dringend notwendige Umgehungstrasse
ihres schönen Ortes. Versuchen Sie alles, dass diese genutzt wird",
meint der Ingenieur mit Nachdruck. In einer möglichen Klage sehe
er keinerlei Erfolgsaussicht, da alle naturschutzrelevanten Belange ,,wir
bauen südlich des Tunnels weder in einem Naturschutz- noch in einem Überschwemmungsgebiet
und für den Flächenverbrauch, ohne den nun mal kein Straßenbau
möglich ist, sind Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen" bei
diesem Projekt berücksichtigt seien. Dem stimmt Dr. Andreas Keller,
Beisitzer in der hiesigen Bund-Naturschutz (BN)-Kreisgruppe, freilich
nicht zustimmen. ,,Entscheidend für uns ist, eine Lösung zu
finden, die für alle Zeit die bessere ist", beruft sich der
Grainauer auf seine Alternativ-Trasse. Unfair finde er, dass diejenigen,
die sich dafür einsetzen, mundtod gemacht werden sollen. ,,Wir sind
keine Verhinderer", betont Keller. Auch aus Reihen der Bürgerinitiative
habe er bereits gehört, dass ihr Vorschlag der bessere sei, ,,laut
sagt das niemand, weil sie Angst haben, dass gar nichts kommt".

Erläutern die Pläne: die Ingenieure Helmut Schütz (vo.
li.) und Stefan Scheckinger (hi. Mitte) von der Obersten Baubehörde
im Gespräch mit Ursel Kössel, Hans Sedlmaier (vo. re.), Max
Zitzmann (hi. li.) und Josef Ostler (hi. re.). Foto: FKN
Zu Recht, wenn man Schütz Glauben schenkt. „Der Knackpunkt
sind die Amerikaner." Drei Jahre lang war er in die Verhandlungen
mit den US-Behörden involviert gewesen und musste einsehen, dass
für den Alternativ-Vorschlag keine Einigung in Sicht ist. „Letztendlich
hat man klar gesehen, dass sie uns nicht durch ihr Gelände durchlassen
wollten." Ausführlich habe man diese Problematik am Montag
vor Ort mit BN-Vertretern besprochen, erklärt Schütz. „Wir
haben die Fronten abgeklärt", beschreibt hingegen Keller diesen
Termin. Unabhängig davon sehen Schütz und sein Mitarbeiter
Stefan Scheckinger auch für die Oberauer Ortsumfahrung sowie für
den Wank-Tunnel -„hier müssen wir 2009 wieder in den vordringlichen
Bedarf kommen" - gute Chancen. Der Vorstand der Tunnelinitiative
- Ursel Kössel, Hans Sedimaier, Margot Schäfer und Max Zitzmann
- hoffe jetzt erst einmal, „dass der Bund Naturschutz zu dem im
Dezember gegebenen Wort -,wir werden nicht klagen, wenn wir das Kramer-Tunnel-
Projekt damit gefährden' - steht", betont Kössel. „Tausende
lärm- und schadstoffgeplagte Einwohner und Touristen könnten
dann endlich wieder aufatmen." |
| |
|
Garmisch-Partenkirchen
Tagblatt
vom 21./22. April 2007
K Tanja Brinkmann |
Kramer-Tunnel: Golfplatz Burgrain muss Fläche opfern Neue Variante
für Einfahrt am Nordportal
– Von „kleinen Schönheitsfehlern“ abgesehen
ist Berthold Freiherr von Pfetten-Arnbach sehr glücklich über
die aktuelle Gestaltung der nördlichen Einfahrt in den Kramer-Tunnel. „Wir
sind aber nicht ganz unbeteiligt, dass unser Anwesen zum größten
Teil verschont wurden“, verweist er auf die Alternativ-Planung,
die er und seine Schwestern als Besitzer des Guts Schwaigwang vorgelegt
hatten, sowie auf die zahlreichen Gespräche mit den Behörden.
Die Schleife, über die Autofahrer aus Burgrain und Garmisch in die
Röhre gelangen, entsteht jetzt nicht auf seinem Grund sondern im
Bereich des Golfplatzes Burgrain.
Amerikaner prüfen die Baupläne
Schon jetzt weiß Heinz Walker, der bei der Bundesanstalt
für Immobilienaufgaben in Nürnberg für die hiesigen US-Liegenschaften
zuständig ist, dass die Amerikaner ihr Einverständnis in Aussicht
gestellt haben: „Ich gehe von ihrer Zustimmung aus.“ Die
aktuellen Unterlagen – das Planfeststellungsverfahren ist seit
Mitte April eingeleitet – habe er inzwischen an die Vertreter der
US-Armee in Heidelberg weitergeleitet, „wo sie jetzt geprüft
werden“. Die Neun-Loch-Anlage haben die Amerikaner mittlerweile
an sein Haus zurückgegeben. Um sie auch ohne die betroffenen 8000
Quadratmeter gut bespielen zu können, solle das Staatliche Bauamt
Weilheim einen Golfplatz-Architekten an Bord holen. Kein Problem für
Abteilungsleiter Albert Ganser, der für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen
zuständig ist. „Wie das Loch verlegt werden muss, prüfen
wir in nächster Zeit.“
Nicht glücklich über diese
Variante ist Rainer Endreß, Vorsitzender des Land- und Golfclubs
Werdenfels, der den Platz vor einigen Monaten gepachtet hat: „Das
obere Drittel des achten Lochs ist betroffen und muss eventuell verkürzt
werden.“ Mit dem angesprochenen Experten gelte es nun, eine vernünftige
Lösung zu finden. „Die Amerikaner haben bei uns gesichertes
Spielrecht und bestimmt ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.“
Ihren
Einfluss machten die US-Vertreter schon im Vorfeld geltend. Eine Vorgabe
für ihre Zustimmung sei, erklärt Walker, ein Gesamt-Verkehrskonzept
für den Bereich um Marshall-Center und Hotel. Werde die St.-Martin-Straße
als Zubringer zu den Sportstätten in diesem Bereich verlängert,
müsse auch dort die größtmögliche Sicherheit garantiert
werden können. Verständnis für diese Forderung äußert
Bürgermeister Thomas Schmid. Knackpunkt sei die Einmündung
in die Kreuzeckbahnstraße, wo der erforderliche Mindestabstand
nicht eingehalten werde: „Derzeit suchen wir Alternativen.“ Vor
diesem Projekt warte man allerdings die Baureife des Kramer-Tunnels ab.
Dass dieses Vorhaben schon so weit ist, hält Schmid den Straßenbauern
zugute: „Super, was hier in Rekordzeit schon erreicht wurde.“ K
Tanja Brinkmann
Im Gemeinderat wird die aktuelle Planung des Kramertunnels
am Donnerstag, 26. April, vorgestellt. Beginn ist um 18 Uhr im Rathaus. |
|
|
Planfeststellungsverfahren
13.04.07

Plan im neuen Fenster
|
Regierung von Oberbayern leitet Planfeststellungsverfahren für
Kramertunnel ein
Verlegung der B 23 soll Garmisch-Partenkirchen von
Verkehr entlasten
Eine neue 5,6 Kilometer lange Umfahrung soll Garmisch-Partenkirchen
künftig vom Durchgangsverkehr entlasten, der sich bisher mit durchschnittlich
16.000 Kraftfahrzeugen pro Tag durch den Markt quält. Für die
dazu geplante Verlegung der Bundesstraße 23 in den 3,6 Kilometer
langen Kramertunnel westlich von Garmisch-Partenkirchen hat die Regierung
von Oberbayern am 13. April 2007 auf Antrag des Staatlichen Bauamtes
Weilheim das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Die beteiligten
Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange können
sich bis zum 15. Juni 2007 dazu äußern. Der Markt Garmisch-Partenkirchen
und die Gemeinde Grainau werden die Projektunterlagen zudem ab 16. April
2007 für einen Monat zur allgemeinen Einsicht während der ortsüblichen
Dienstzeiten auslegen.
Die Ortsumfahrung verläuft nördlich
von Garmisch-Partenkirchen bis kurz vor dem künftigen nördlichen
Tunnelportal auf der Trasse der bestehenden B 23. Das Nordportal zum
Tunnel, der das Kramermassiv durchsticht, wird in einem ehemaligen Steinbruch
liegen. Das Südportal liegt in der Nähe des örtlichen
Tierheimes. Von dort verläuft die geplante Straße nördlich
der US-Wohnbausiedlung (Breitenau Family Housing) am Hangfuß des
Bergmassives entlang nach Südwesten und schließt auf Höhe
von Schmölz mit Brücken über die Loisach an zwei Stellen
an die bestehende B 23 an. Für die Anschlussstelle Garmisch/Burgrain
im Norden wird aus Fahrtrichtung München eine Schleifenrampe errichtet,
die mit einem Kreisverkehr an die Gemeindeverbindungsstraße Garmisch
- Burgrain angeschlossen wird; aus Fahrtrichtung Garmisch wird eine zusätzliche
Direktrampe gebaut. Garmisch-Partenkirchen soll damit vom Verkehr nach
Tirol, nach Grainau, zum Eibsee und zur Zugspitze sowie vom Ziel- und
Quellverkehr der südlichen Bezirke Garmisch-Partenkirchens mit den überregional
bedeutsamen Sport- und Wandergebieten des Ortes im Bereich des Hausberges,
des Kreuzeck- und Osterfeldergebietes entlastet werden.
Bei einem Planfeststellungsverfahren
wird die Zulässigkeit des Vorhabens einschließlich der notwendigen
Folgemaßnahmen an anderen Anlagen im Hinblick auf alle von der
geplanten Baumaßnahme berührten öffentlichen Belange
festgestellt. Dabei sind die von den Vorhaben berührten öffentlichen
und privaten Belange einschließlich der Umweltverträglichkeit
im Rahmen der Abwägung zu berücksichtigen. |
|
|
| Bürgerinformation
vom März 2007. |
Stellungnahme der Gemeinde Grainau
Die Gemeinde Grainau hat sich zu keinem Zeitpunkt gegen den geplanten
Kramertunnel ausge- sprochen. Vielmehr hat sie gegen die vorgesehene
Ausfahrt bzw. Einschleifung in die B23 ihre Bedenken angemeldet. Es
soll im Schuster-Woldan-Gebiet ein Kreisverkehr gebaut werden, der
rund 5 Meter über dem derzeitigen Loisachniveau liegen wird. Von diesem
Kreiselaus sollen zwei jeweils 70 Meter lange Brücken auf hohen
Pfeilern über die Loisach führen und in die B23 einschleifen.
Eine Brücke wird sich nach Westen drehen und kurz vor der Kreuzung
(Stampfl-Stich) einmünden, die zweite Brücke wird nach Osten
gehen und kurz vor dem Schmölzer Berg – von Westen gesehen – in
die B23 münden. Ursprünglich war auch vorgesehen, das Straßenstück
zwischen Stampfl-Stich und Schmölzer Berg ersatzlos zu beseitigen.
Bei
dieser Lösung müsste dann am Schmölzer Berg eine größere
Kreuzung gebaut werden, weil dann die meisten Fahrzeuge, die Obergrainau
bzw. Hammersbach als Ziel haben, im besonderen der Tagesausflugsverkehr
zur Höllentalklamm, vom Westen her kommend, auch der überörtliche
Schwerverkehr, weil dieser zu einer Überbelastung der bestehenden
Straße führen würde. Beim derzeit spitzen Winkel wäre
ein normaler Verkehrsfluss nicht möglich.
Durch dieses Riesenbauwerk
(Kreisel mit zwei Brücken) ist geplant, nicht nur den grenzüberschreitenden
Verkehr sowie den Quell- und Zielverkehr von Grainau und Eibsee an Garmisch-Partenkirchen
vorbei zu leiten, sondern auch den gesamten Quell- und Zielverkehr des
Westteiles von Garmisch sowie den gesamten Sportverkehr in die Skigebiete.
Dies heißt für uns, dass künftig der gesamte Sportverkehr
und der Quell- und Zielverkehr des westlichen Teils von Garmisch-Partenkirchen über
Grainauer Flur abgewickelt wird.
Aus der Tagespresse ist auch bekannt,
dass die Firma OBI beabsichtigt, in den Bereich Schuster-Woldan einen
Markt zu bauen. Tatsache ist, dass damit der letzte Retentionsraum der
Loisach zwischen Eschenlohe und dem Ursprung verbaut würde. Nach
Gesetzeslage ist es nicht erlaubt, in ein Überschwemmungsgebiet
zu bauen. Dennoch hat der Bauausschuss der Marktgemeinde das Vorhaben
der Firma OBI begrüßt. Mit einem solchen Bau würde aus
Sicht der Gemeinde Grainau die Loisach „kanalisiert“ und
dann mit einer bedeutend höheren Abflussgeschwindigkeit direkt auf
den Campingplatz prallen. Hinzu kommt die rechtwinklige Einmündung
des Hammersbaches. Somit würde bei Hochwasserereignissen wie 1999
und 2005 nicht nur der Campingplatz, sondern auch das gesamte Wohn- und
Gewerbegebiet überschwemmt werden. Damit wird künftig neben
der Evakuierung des Campingplatzes regelmäßig auch die Evakuierung
des gesamten Wohngebietes anstehen. Für die Gemeinde ist es nicht
verständlich, dass der Bayerische Staat in den vergangenen Jahren
Millionen ausgegeben hat, um in und um Garmisch-Partenkirchen die Hochwassersituation
zu entschärfen, andererseits zusieht, wie eine neue Hochwassergefahrenstelle
künstlich produziert wird.
Im Juli 2006 hat der Bürgermeister
der Marktgemeinde in einem Schreiben dem Bayerischen Ministerpräsidenten
Dr. Edmund Stoiber begründet mitgeteilt, warum eine Ausfahrt des
Kramer- tunnels, wie sie jetzt geplant ist, für den Markt nichtzielführend
sein kann und deshalb die Trassen- führung im Tunnel unter dem Gebiet
der Amerikaner erfolgen muss. Eigenartigerweise ist die dafür aufgeführte
Begründung bereits ein Jahr später nicht mehr von Bedeutung
gewesen. Wie schnell sich Überzeugungen ändern können!
Die Gemeinde Grainau hatte am 8. Januar 2007 die Möglichkeit, dem
Bayerischen Innenminister, Herrn Dr. Beckstein, die Bedenken vorzutragen.
Der Innenminister machte dabei auf die Kosten-steigerungen aufmerksam,
würde man die ursprünglich vorgesehene Trasse durch das Gebiet
der Amerikaner beibehalten und deren Sicherheitsforderungen erfüllen.
Die Gemeinde ist allerdings der Auffassung, dass bei einer Investition
für die Zukunft die beste Lösung und nicht die billigste gesucht
werden muss. Kein Verständnis zeigte der Innenminister bei diesem
Gespräch für die Planung des OBI-Marktes im Überschwemmungsgebiet.
Bei der Realisierung dieses Vorhabens würden seiner Meinung nach
die bisher investierten Millionen in den Hochwasserschutz rund um Garmisch-Partenkirchen
ad absurdum geführt werden! |
|
|
| Bürgerzeitung des Marktes Garmisch-Partenkirchen vom 14. April
2007 zum Bericht im Tagblatt vom 15. März 2007. |
Stellungnahme der Initiative „2 Tunnel“
Seit Jahrzehnten leidet Garmisch unter einem immer mehr zunehmenden
Transitverkehr. Betroffen sind nicht nur die Anlieger der B 23, betroffen
ist die gesamte Gemeinde, die zum hohen Anteil vom Fremdenverkehr lebt.
Immer wieder war der starke Verkehr im Zentrum der Hauptkritikpunkt
in Gästebefragungen. Die Einstufung der Gemeinde als “heilklimatischer
Kurort” ist von Verbesserungen der Verkehrssituation abhängig.
Nach langjährigen Bemühungen konnte nun im Juli 2006 eine Einigung über
die Trassenführung mit den US-Amerikanern in der Breitenau erreicht
werden. Die ursprünglich vorgesehene Unterfahrung des US-Geländes
hätten wir auch lieber gesehen, doch ist die neue Lösung immer
besser als gar keine Lösung.
Durchaus verständlich sind Einwendungen
der betroffenen Anlieger von Gut Schwaigwang, wenn die Einschleifung
privaten Grund erfordert. Mit dem Eigentümer, Freiherr von Pfetten
steht eine einvernehmliche Lösung in Aussicht.
Weniger Verständnis
haben wir für den Widerstand des “Bund Naturschutz”.
Die A-Lösung entspricht nahezu völlig einer vom BN 1980 geforderten
Linienführung! Sie ist sogar noch umweltverträglicher, denn
der Strasse fällt weder der Kletterfelsen “Frosch” zum
Opfer, noch wird das Naherholungsgebiet an der Loisach zerstört.
Die Trasse verläuft dort jetzt ausschließlich auf privaten
Grundstücken.
Als potenzielles Überschwemmungsgebiet ist der
Standort des Kreisels eingestuft; genauso aber auch das gesamte, seit
Jahrhunderten bebaute Garmischer Ortsviertel Gries zwischen Loisach und
Mühlbach.
Die von Dr. Keller angeregte kürzere Trassenführung
im Berg hat gravierende Nachteile: Der nördliche Tunneleingang direkt über
der Siedlung Weidlegraben hätte eine unzumutbare Lärmbelastung
zur Folge. Das Lüftungsbauwerk würde näher zur Besiedlung
rücken und durch die tiefere Lage eines hohen Kamins bedürfen.
Zudem käme diese Trasse in einer geologisch äußerst problematischen Überlagerungsschicht
am Kramerfuß zu liegen. Wie sich am Farchanter Tunnel zeigte, hat
dies gewaltige Kostensteigerungen zur Folge. Man sollte schon darauf
vertrauen, dass die Fachleute des Straßenbauamts Weilheim die beste
Trassenführung auswählen.
Die Bemühungen von Dr. Keller,
eine Verlängerung des Tunnels und die Unterfahrung des US-Geländes
zu erreichen sind anerkennenswert. Wir bitten aber auch, dass er sein
Versprechen einhält und eine Klage unterlässt, wenn ersichtlich
ist, dass dies bis zum Abschluß des Planfeststellungsverfahrens
nicht erreichbar ist.
Die Umgehung von Garmisch ist sowohl im Bedarfsplan
für die Bundesfernstraßen als auch im Entwurf des Investitionsrahmenplans
vorgesehen. Vom Bund und vom Land wurde eine Finanzierung zuggesagt,
sobald die Baugenehmigung vorliegt. Damit besteht eine einmalige Chance
für den Bau des Tunnels. Verzögerungen durch Klagen würden
dazu führen, dass die Mittel für andere Projekte abgezogen
werden.Viele Gemeinden in Bayern warten schon auf diese Gelegenheit.
In diesem Falle würde jahrzehntelang weiterhin der Verkehr durch
das Garmischer Zentrum strömen. |
|
|
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt
vom 15.3.2007
Von Tanja
Brinkmann |
Widerstand gegen Kramer-Tunnel-Trasse
Naturschützer schlagen
Alternative vor –
Grainau erwägt Klage
Garmisch-Partenkirchen – Am
Kramer-Tunnel scheiden sich die Geister. Dabei wird nicht die Garmischer
Ortsumfahrung an sich in Frage gestellt, vielmehr stören sich
viele an ihrem südlichen Ende. „Das ist bei weitem nicht
die beste Lösung“, findet Dr. Andreas Keller von der Initiative „Bürger
bewahrt das Loisachtal“.
Gegen diese Zerstörungs-Politik
spricht er sich unterstützt von Vertretern des Bundes Naturschutz
vehement aus und wartet gleich mit Gegenvorschlägen auf: Zum einen
empfiehlt er eine direktere Führung im Berg, zum anderen plädiert
er dafür, die Trasse doch durch das US-Gelände in der Breitenau
zu legen.
Mit dieser Variante wandte sich Keller nicht nur ans Straßenbauamt
Weilheim, wo die Umfahrung geplant wird, sondern auch an zahlreiche
Politiker und Behörden in Deutschland sowie Amerika. Vor allem
auf letztere setzen er und seine Mitstreiter große Hoffnung.
Aus Heidelberg, wo die von der US-Armee für Garmisch-Partenkirchen
Zuständigen sitzen, erreichte ihn bereits Antwort: „Es hieß,
dass sie an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sind.“ Wie
diese aussehen könnte, blieb allerdings offen. Auch auf Tagblatt-Nachfrage
war aus der Pressestelle nicht mehr zu erfahren: „Wir haben mit
allen Stellen diskutiert. Die Bundes-Regierung hat dem aktuellen Plan
zugestimmt, jetzt ist es keine Army-Angelegenheit mehr.“
Ein
Abweichen von der A-Linie, die im Süden etwa 30 000 Quadratmeter
US-Flächen tangiert, hält Heinz Walker, der bei der Bundesanstalt
für Immobilien-Aufgaben in Nürnberg die hiesigen Liegenschaften
der Vereinigten Staaten betreut, für unwahrscheinlich. „An
den Vorschlag von Dr. Keller führt ohne die Einhausung kein Weg
hin“, verweist er auf das „große Sicherheitsbedürfnis“ der
Amerikaner. Zusätzlich etwa 25 bis 30 Millionen Euro würde
es kosten, deren Anforderungen zu erfüllen – „bleibt
die Frage, wer das zahlen soll“. Die jetzt angestrebte Lösung
wertet er als Kompromiss und bestätigt den US-Vertretern „Entgegenkommen“.
Juristen sollen Pläne genau prüfen
Dass mit dieser Variante
das Naherholungs-Gebiet an der Loisach zerstört wird, hält
Keller jedoch „für eine Katastrophe“. Ein Argument,
das Dr. Christine Margraf, Regionalvertreterin beim Bund Naturschutz,
angesichts des „enormen Flächenverbrauchs“ nur bestätigen
kann. Außerdem stört sie, dass der vorgesehene Kreisel auf
dem „Schuster-Woldan-Gelände“ in potenziellem Überschwemmungsgebiet
entstehen soll. „Im Planfeststellungs-Verfahren muss sehr gut
begründet werden, warum man diese Variante anstrebt“, sagt
sie. „Wir sind gespannt, wie das dargestellt wird und wollen’s
auf alle Fälle juristisch prüfen lassen.“
Genau unter
die Lupe werden auch die Grainauer die Pläne nehmen, schließlich
kommt der Umfahrungs-Verkehr auf ihrem Gebiet heraus. „Wir werden’s
in der Gemeinde diskutieren und abwägen, ob wir den Klageweg beschreiten“,
kündigt Bürgermeister Andreas Hildebrandt (CSU) an. Etwas
verwundert zeigt er sich, dass ihm bislang keine offiziellen Papiere
vorliegen. „Wir vermissen auch eine Stellungnahme der Marktgemeinde,
ob sie’s begrüßt, dass ihr Verkehr auf unserer Flur
abgewickelt wird.“
Ein Vorhaben, das auch Axel Doering, Kreisvorsitzender
des Bundes Naturschutz, angesichts des gewaltigen Eingriffs in die
Landschaft missfällt. Dass die Straßenbauer die Planung
von Anfang der 1980er Jahre „immer nur angestückelt, aber
nie erneuert haben“, nennt er fantasielos. Ihm schwebt ähnlich
wie Keller zumindest eine geänderte Trassen-Führung im Berg
vor. Zu diesen Anregungen will sich Albert Ganser, stellvertretender
Leiter des Straßenbauamtes Weilheim, nicht äußern
und verweist auf das Planfeststellungs-Verfahren: Da hat jeder die
Möglichkeit, Einwendungen abzugeben.“ Eine Chance, die wohl
nicht nur die Naturschützer, sondern auch die Grainauer ergreifen.
VON TANJA BRINKMANN
|
|
|
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 20.12.2006
Auszug
|
- Neue Umgehungsstraße, attraktivere Bahnanbindung nach München:
Bundesverkehrs-Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat grünes Licht
für den über 100 Millionen Euro teuren Kramer-Tunnel gegeben.
Bürgermeister Schmid möchte die Doppelröhre, die den Ortsteil
Garmisch entlastet, möglichst noch vor den Titelkämpfen 2011
einweihen. Bayerns Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) will kräftig
ins Schienennetz investieren und die Fahrzeit von München nach Garmisch-Partenkirchen „knapp
unter eine Stunde” drücken. |
|
|
|
Minister Tiefensee im Tagblatt-Gespräch über
Landkreis-Projekte
Von Tanja Brinkmann

|
Aus Werdenfelser Sicht ist der Bundesverkehrsminister
ein extrem begehrter Mann. Schließlich erhofft sich der Landkreis
von Wolfgang Tiefensee Zuschüsse in Millionen-Höhe für
den Kramer-Tunnel, die Umfahrung von Saulgrub und andere Projekte. Im
Tagblatt-Gespräch äußert sich der 52-jährige SPD-Politiker über
diese Vorhaben und ihre Chancen auf Realisierung.
Herr Minister Tiefensee,
Sie haben den Jahreswechsel in Garmisch-Partenkirchen erlebt und konnten
sich dabei auch einen Eindruck von der Verkehrssituation verschaffen.
Wie beurteilen Sie nach diesen Erfahrungen die Lage vor Ort?
Wolfgang
Tiefensee:
„Zunächst einmal habe ich die wunderbare Landschaft
und die liebenswerten Menschen in und um Garmisch-Partenkirchen kennen
gelernt. Was die Verkehrssituation betrifft, ist klar: Garmisch braucht
eine Ortsumgehung. Die B 23 ist stark verkehrsbelastet. Man braucht ab
dem Autobahnende bei Eschenlohe viel Zeit, um nach Garmisch-Partenkirchen
zu kommen. Das ist kein Dauerzustand."
Der erste Spatenstich für
den Kramer-Tunnel soll 2008 erfolgen. Ist die Finanzierung dieses Millionen-Projekts
gesichert?
Tiefensee:
„Ich bin mir mit meinem bayerischen Kollegen
Beckstein darüber einig, dass der Bund das Projekt ab 2008 finanziert,
sofern dafür das Baurecht vorliegt."
Bedingung der Bundesregierung
war ja, dass der Freistaat Bayern die technische Planung und Planfeststellung
vorantreiben und vor allem die Kosten für die Planung tragen muss.
Fließen die Gelder von Ihrer Seite nur, wenn für dieses Unterfangen
bis April 2008 alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind?
Tiefensee:
„Die
Ortsumgehung Garmisch-Partenkirchen ist sowohl im Bedarfsplan für
die Bundesfernstraßen als auch im Entwurf des Investitionsrahmenplans
vorgesehen. Der Bau der Ortsumgehung ist grundsätzlich nicht davon
abhängig, dass das Baurecht im April 2008 vorliegt. Gleichwohl wird
angestrebt, das Projekt vor der Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen
fertig zu stellen."
Bürgermeister Thomas Schmid hofft auf die
Einweihung des Kramer-Tunnels zur Ski-Weltmeisterschaft 2011 - halten
Sie das für realistisch?
Tiefensee:
„Das ist ein ehrgeiziges
Ziel. Drei Jahre Bauzeit sind nicht lang. Wollen wir diesen ehrgeizigen
Plan halten, dann muss das Baurecht in der Tat so rasch wie möglich
vorliegen, spätestens bis April 2008."
Besteht eigentlich ein
zeitlicher Zusammenhang zwischen der Freigabe der Mittel für den
Kramer-Tunnel und seiner Fertigstellung bis zur Ski-Weltmeisterschaft?
Tiefensee:
„Nein. Doch Garmisch-Partenkirchen erwartet zur WM
selbstverständ- Weiß, wie wichtig der Kramer-Tunnel für
Garmisch ist: Minister Tiefensee. Foto: ddp lieh einen starken Besucherstrom.
Es wäre sehr sinnvoll, wenn der Verkehr dann flüssiger fließt."
Allein
mit dem Kramer-Tunnel ist das Verkehrs-Chaos im Landkreis Gar-misch-Partenkirchen
noch nicht entwirrt. Ein weiteres Projekt aus dem vordringlichen Bedarf
des Bundesverkehrs-Wege-plans, das in den kommenden fünf Jahren
realisiert werden soll, ist die Ortsumfahrung Saulgrub. Die Vorbereitungen
sind abgeschlossen, die Finan-zierungs-Zusage vom Bund fehlt. Wann
geben Sie die erforderlichen Mittel frei?
Tiefensee:
„Auch die
Ortsumgehung Saulgrub ist im Bedarfsplan und im Entwurf des Investitionsrahmenplans
vorgesehen. Über den Baubeginn neuer Projekte stimmt sich der
Bund regelmäßig mit den Ländern ab. Das gilt auch für
die Ortsumgehung Saulgrub."
Während Garmisch und Saulgrub
offensichtlich bald aufatmen können, rollt die Verkehrs-Lawine
nach wie vor durch Oberau und Partenkirchen. Können die betroffenen
Bürger in
absehbarer Zeit auf Entlastung hoffen?
Tiefensee:
„Für beide
Projekte ist zunächst die Planung abzuschließen und das
Baurecht zu beschaffen. Sie werden auf alle Fälle erst nach den
Projekten Garmisch und Saulgrub verwirklicht."
Die Zusammenarbeit
mit dem CSU-Bundestagsab-geordneten Alexander Dobrindt gilt ja als
sehr gut. Besteht dieses Wohlwollen auch über das Ende einer großen
Koalition hinaus?
Tiefensee:
„Ich habe mit Herrn Dobrindt gesprochen
und spreche selbstverständlich intensiv mit den Abgeordnetenkollegen
aus der SPD. Eine gute Zusammenarbeit mit den Bundestagsabgeordneten
orientiert sich an Sachfragen und ist nicht abhängig von Koalitionszugehörigkeiten."
Mehrere
Politiker haben schon betont, wie wichtig auch ein Ausbau der Bahnstrecke
nach München wäre. Können Sie den Werdenfelsern finanzielle
Hilfen zusagen?
Tiefensee: „Diese Strecke ist derzeit nicht Teil
des Schienenwegeausbaugesetzes, daher kann der Bund keine entsprechenden
Zusagen machen. Dies schließt jedoch nicht aus, dass bei einer
künftigen Fortschreibung des Schienenwegeausbaugesetzes ein Bedarf
für den Ausbau dieser Strecke festgestellt werden kann." |
|
|
|
Weitere Artikel im Archiv  |
| |
|